4. Erde - Earth

Bäumepflanzen kein Klimaschutz [DE]

2011-06-22: Wir haben es schon lange gewusst: Mit Bäumepflanzen lässt sich das Klima nicht retten – auch wenn UNEP, Greenpeace, Klimaretter oder Wikiwoods noch immer darauf beharren.

Biologie, Grundstudium: Einen großen Teil des CO2, das der Wald am Tag aufnimmt, setzt er nachts wieder frei. Dazu kommen noch die Fäulnisprozesse am Boden, die ebenfalls CO2 freisetzen. Die CO2-Bilanz ist also ziemlich ausgeglichen, zumindest in den Wäldern unserer Breiten. Die größten CO2-Speicher und O2-Produzenten sind die Ozeane.

Außerdem ist das dichte Blätterdach der Wälder dunkler als Felder, Steppen oder Wüsten. Sie ziehen die Sonnenwärme quasi an und halten sie.

Das ist jetzt auch in globalem Maßstab bewiesen. Zwei kanadische Forscher modellierten den Einfluss von Wäldern auf das Klima (Nature GeoScience).

Ergebnis: In den hohen Breiten und in den Steppengebieten der Erde bringt es unterm Strich kaum etwas, zusätzliche Bäume oder gar Wälder anzupflanzen. Rasen und Äcker wirken sich hier weit besser auf das Klima aus.

Anders ist es allerdings in den Tropen. Hier wachsen die Pflanzen schneller und speichern naturgemäß mehr CO2. Ihre Klimawirksamkeit ist deshalb dreimal so groß wie in den nördlichen Wäldern.

Nur leider ist es so, das auf der Nordhalbkugel, vor allem in Kanada, immer mehr Bäume angepflanzt werden. In den Tropen dagegen wird immer mehr Wald gerodet und verbrannt, was den CO2-Gehalt in der Atmosphäre noch zusätzlich erhöht.

Abgesehen von der eher mageren Klimabilanz der Wälder, sind sie für die Umwelt enorm wichtig. Sie halten Regenfluten zurück, die sie dosiert über längere Zeit wieder abgeben, schützen Böden vor Erosion und bewahren eine große Artenvielfalt unter ihrem Blätterdach.

Also: Nachdenken vorm Bäumepflanzen. Wenn es für den Boden gut ist, ja. Sonst lieber den Rasen pflegen.


Hanns-J. Neubert, Länge: 2200 Zeichen

Klima retten: Illusion [DE]

2011-05-30 Klimarettung scheint zur Illusion zu werden. Der CO2-Ausstoß aus Kohle, Öl- und Gaskraftwerken war noch nie so hoch wie 2010 — und er steigt weiter. Damit rückt das Ziel, die Erderwärmung zu begrenzen, in noch weitere Ferne.

Im Dezember 2010 einigten sich die Länder der Welt in Cancun darauf, den Temperaturanstieg auf unter zwei Grad gegenüber dem Jahr 2000 zu begrenzen. Das würde aber bedeuten, den Kohlendioxidausstoß bis 2050 um 80 bis 95 Prozent herunter zu fahren. Ab 2020 dürften dann nicht mehr als 32 Gigatonnen CO2 zusätzlich in die Atmosphäre gelangen.

Aber in 2010 wurden schon 30,6 Gigatonnen allein aus Stromkraftwerken in die Luft geblasen, ganze fünf Prozent mehr als 2008. Wenn das so weiter geht, »wird es extrem schwierig, das Zwei-Grad-Ziel überhaupt noch zu erreichen,« sagte Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur bei der Vorstellung der Weltenergie-Prognose 2010.

Die größten Kohlendioxid-Emittenden sind immer noch die reichen Länder mit einem Jahresausstoß von rund 10 Tonnen CO2 pro Person, verglichen mit Chinesen mit 5,8 Tonnen und Indern mit 1,5 Tonnen CO2 pro Person und Jahr. Dabei muss man aber auch berücksichtigen, dass die reichen Länder einen großen Teil ihrer Produktionen nach China und Indien verlagert haben. Der Pro-Kopf-Ausstoß in diesen Ländern beinhaltet also auch den CO2-Ausstoß der Warenherstellung für die Reichen.


Hanns-J. Neubert

Südost-Asien: Unruhige Erde

2005-03-29

Britische Wissenschaftler haben das schwere Seebeben in der Nacht vom 28. auf den 29. März 2005 westlich vor der indonesischen Insel Sumatra bereits zwei Wochen vorher prognostiziert. Ihre Studie erschien am 17. März in der Fachzeitschrift "Nature".

John McCloskey von der britischen Universität von Ulster, der Leiter der Studie, hatte zwar nicht den Zeitpunkt voraussagen können, wohl aber den Ort und die Stärke.

Spannungen

Wie ein Bollwerk haben sich Sumatra, Java und die zahlreichen Sunda-Eilande westlich vor der inneren Insel- und Meereswelt Indoniesens aufgeschoben. Unter sie schiebt sich ruckartig der Meeresboden des Indischen Ozeans. Die Spannungen, die die Erdplatten dabei aufbauen, entladen sich immer wieder in Erdstößen. Manchmal öffnen sie auch Kanäle zum heißen Erinneren und lassen Vulkane ausbrechen.

Aber das ist nicht der einzige Druck, der auf dem verwickelten Gewirr von Schelfgebieten, vulkanischen Bergketten und Tiefseegräben zwischen Pazifik und Indik lastet. Hier treffen drei große Teile der Erdkruste aufeinander, die sich im Laufe der Erdgeschichte immer wieder gegeneinander verschoben, die Inseln zerdrückten oder verbogen.

Borneo, die drittgrößte Insel der Welt, und der Inselbogen von Sumatra, Java, Bali und den Kleinen Sundainseln sitzen auf dem Sunda Schelf, einer südwärtigen Ausdehnung der Landmasse Asiens. Im Süden und Westen fällt der Schelf in Tiefseegräben ab, wie den knapp 7500 Meter tiefen Java Graben.

Neu Guinea und die Molukkeninsel Halmahera sind Teile das Sahul Schelfs, einer nordwestlichen Ausdehnung der australischen Landplatte.

Die dritte große Einheit ist ein Ausläufer des Gebirgs- und Grabengürtels, der von Japan über die Philippinen zwischen Borneo und Neu Guinea verläuft. Hierzu gehören eine Reihe von Bergvulkanen und Tiefseegräben um Celebes und die fast 1000 kleineren Molukkeninseln, die "Gewürzinseln".

Vulkane

Der Vulkan Krakatau, der sich 1883 aus dem Meeresboden der Sunda Straße zwischen Sumatra und Bali erhob, zerstörte damals alles Leben auf den umliegenden Inseln. Die Eruptionen erzeugten Tsunamiwellen, die über ganz Südostasien hinwegrollten und schon damals Zehntausende von Menschen töteten. Die Aschewolken trieben um die ganze Erde und setzten die Sonneneinstrahlung herab. Mehr als ein Jahr lang brachen sich die Strahlen der Sonne in den Rußpartikeln am Himmel und sorgten so auch allabendlich für grandiose Schauspiele spektakulärer Sonnenuntergänge.

Viele erinnern sich noch an den Ausbruch des philippinischen Vulkans Pinatubo, der nach 600 Jahren Ruhe am 15 Juni 1991 90 Kilometer nordwestlich von Manila ausbrach. Innerhalb von drei Tagen rieselten rund neun Kilogramm Asche auf jeden Quadratmeter des Südchinesichen Meeres nieder. Als der Ascheteppich 3000 Meter tief auf den Meeresgrund gesunken war, hatte er alle Kleinstlebewesen des Planktons mit sich gerissen, der Grundlage der Nahrungsnetze im Meer. Zwar erholte sich das Meeresleben an der Oberfläche relativ schnell, aber am Boden erstarb jedes Leben unter einem Leichentuch aus Asche. Selbst sechs Jahren nach dem Ausbruch hatte sich das Leben am Meeresboden noch nicht erholt. Von ursprünglich 60 Tierarten, die einst den Meeresboden bevölkerten, fanden Forscher nach der Katastrophe nur noch sechs.

Lebendige Erde

Dies war besonders dramatisch, weil Indonesien mitten in der Übergangszone zwischen zwei der weltgrößten Tierreiche liegt: dem asiatisch-europäischen und dem australischen. Ein Grund für die weltweit einmalige Vielfalt des Tierlebens auf den Inseln.
Wie McCloskey bewiesen hatte, gelingt es immer besser, das Rumoren der Erde vorher zu sagen. Doch genau diese Dramen schufen auch das Antlitz der Erde, des Planeten, auf dem sich menschliches Leben entwickelte.

Hanns-J. Neubert
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